21.09.2026
PSA auf Baustellen im Herbst: 9 Punkte, auf die es jetzt ankommt
21.09.2026
Morgens ist der Boden nass, vielleicht sogar schon leicht angefroren. Am Nachmittag wird es wieder milder. Dazu kommen Regen, Wind, Nebel und Tage, die spürbar kürzer werden.
Der Herbst verändert die Bedingungen auf Baustellen oft schneller, als man denkt. Und zwar lange bevor Schnee oder dauerhafte Minusgrade zum Thema werden.
Laut Suva beginnt Kältearbeit bereits bei Temperaturen unter +10 °C. Wind und Feuchtigkeit können dafür sorgen, dass es sich noch deutlich kälter anfühlt. Gleichzeitig laufen Rohbau, Dach- und Fassadenarbeiten, Tiefbau, Gerüstbau oder Materialtransporte ganz normal weiter.
Die Frage ist deshalb nicht einfach: Brauchen wir wärmere PSA? Wichtiger ist: Passt die vorhandene Schutzausrüstung noch zu den veränderten Bedingungen?
Im Herbst kommen auf Baustellen mehrere Faktoren zusammen: nasse und rutschige Untergründe, schlechtere Sicht, Wind und sinkende Temperaturen. Gleichzeitig bleiben die bekannten Baustellenrisiken bestehen – etwa Absturz, Lärm, Staub oder der Verkehr mit Baumaschinen.
Darum reicht es nicht, im Herbst einfach dickere Kleidung oder wärmere Handschuhe anzuziehen.
Entscheidend ist, welche Gefährdungen sich verändern und ob die vorhandene PSA weiterhin sicher sitzt, ihren Zweck erfüllt und mit den anderen Ausrüstungsteilen zusammenpasst.
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Feuchte Blätter, Schlamm und nasse Gerüstbeläge erhöhen die Rutschgefahr. Dämmerung und Nebel verschlechtern die Sicht. Wind verstärkt die Kälte. Und feuchte Kleidung kann spätestens dann unangenehm werden, wenn nach körperlich anstrengender Arbeit längere Standzeiten folgen.
Die Suva weist bei Arbeiten bei Kälte unter anderem auch auf Glätte und Dunkelheit als wichtige Faktoren hin. Dabei sollte eines nicht vergessen werden: PSA ist nicht die erste Schutzmassnahme.
Verkehrswege müssen sicher sein, Arbeitsplätze ausreichend beleuchtet, Absturzkanten geschützt und Staub möglichst direkt an der Quelle erfasst werden. Persönliche Schutzausrüstung ergänzt diese Massnahmen – sie ersetzt sie nicht.
Mehr zur grundsätzlichen Auswahl von PSA erfahren Sie im Beitrag «PSA richtig auswählen: Suva-Kriterien, EN-Normen und typische Fehler».
Auch die schweizerische Bauarbeitenverordnung (BauAV) enthält mehrere Vorgaben, die in der nasskalten Jahreszeit besonders relevant werden.
Dazu gehören unter anderem:
Bei bestimmten Bauarbeiten ist zudem das Tragen eines Schutzhelms vorgeschrieben. Wird mit persönlicher Schutzausrüstung gegen Absturz gearbeitet, verlangt die BauAV einen Helm mit Kinnband.
Welche PSA gebraucht wird, entscheidet sich nicht allein anhand einer Norm oder Schutzklasse. Massgebend sind immer die konkrete Arbeit und die tatsächliche Gefährdung.
Nasser Lehm, Schlamm, Laub oder erste gefrorene Stellen können einen Untergrund innerhalb kurzer Zeit deutlich rutschiger machen.
Bei Sicherheitsschuhen kommt es deshalb nicht nur auf die Schutzklasse an. Ebenso wichtig sind Untergrund, Durchtrittschutz, Wasserbeständigkeit, Sohlenprofil und Passform.
Mit EN ISO 20345:2022 wurden unter anderem die Kennzeichnungen für Rutschhemmung, Durchtrittschutz und Wasserbeständigkeit angepasst. In der Praxis können deshalb weiterhin alte und neue Kennzeichnungen nebeneinander vorkommen.
Ein Punkt, der immer wieder für Missverständnisse sorgt: S3 bedeutet nicht automatisch, dass ein Schuh für dauerhaft stehende Nässe geeignet ist. Hier lohnt sich der Blick auf die konkrete Kennzeichnung und die Herstellerangaben.
Mehr dazu:
Sicherheitsschuhe bei Nässe, Schlamm und Kälte richtig wählen
PU, TPU oder Gummi: Welche Sohle ist wann die richtige?
Passende Lösungen finden Sie in der Kategorie Fussschutz.
Im Herbst wird es früher dunkel. Nebel, Regen und tiefstehende Sonne können zusätzlich dafür sorgen, dass Personen auf der Baustelle schlechter gesehen werden.
Gerade im Bereich von Baumaschinen, Transportfahrzeugen oder öffentlichen Verkehrswegen ist gute Sichtbarkeit entscheidend. Die BauAV verlangt hier Warnkleider aus fluoreszierendem Material mit retroreflektierenden Flächen.
Die EN ISO 20471 unterscheidet drei Klassen. Welche davon nötig ist, hängt vom Einsatzbereich und der Gefährdung ab. Dabei zählt nicht nur die Klasse auf dem Etikett. Auch der Zustand der Kleidung spielt eine Rolle. Stark verschmutzte oder beschädigte fluoreszierende Flächen und Reflexstreifen können die Sichtbarkeit beeinträchtigen.
Und noch etwas: Zusätzliche Kleidung unter einer Warnschutzjacke darf den Sitz und die Bewegungsfreiheit nicht einschränken.
Mehr dazu im Beitrag «Warnschutz bei Regen, Nebel und Schnee: Sichtbar bleiben bei schlechtem Wetter».
Zur Auswahl: Warnschutzkleidung bei Safety-Pro.
Feuchtigkeit kommt im Herbst nicht nur von aussen. Wer körperlich arbeitet, produziert Wärme und Schweiss. Genau deshalb muss Wetterschutzkleidung mehr können, als nur Regen abzuhalten.
Sie sollte zu Regenintensität, körperlicher Belastung, Wind und Temperatur passen. Auch Bewegungsfreiheit und – je nach Einsatz – die Kombination mit Warnschutz sind wichtig.
Für Schutzkleidung gegen Regen gilt heute die SN EN ISO 24232:2025. Sie ersetzt die EN 343:2019. Bei bereits vorhandener Kleidung und älteren Produktunterlagen ist die Kennzeichnung EN 343 jedoch weiterhin anzutreffen. Bei Neubeschaffungen lohnt sich deshalb ein Blick auf die aktuelle Normkennzeichnung und die Herstellerdokumentation.
Entscheidend bleibt in der Praxis: Wer körperlich schwer arbeitet, braucht nicht nur Schutz vor Regen, sondern auch einen sinnvollen Feuchtigkeitsabtransport.
Mehr dazu im Beitrag «Arbeiten bei Regen: Wetterschutzkleidung richtig auswählen».
Passende Produkte finden Sie unter Arbeits-, Berufs- und Schutzkleidung.
Kalte oder nasse Hände können schnell zum Problem werden. Beweglichkeit, Griff und Fingerspitzengefühl nehmen ab – gerade bei Arbeiten mit Werkzeugen oder kleineren Bauteilen. Handschuhe müssen im Herbst deshalb oft mehrere Aufgaben gleichzeitig erfüllen: vor Kälte und Feuchtigkeit schützen und trotzdem einen sicheren Griff ermöglichen.
Für den Kälteschutz ist insbesondere die EN 511 relevant, bei mechanischen Risiken die EN 388.
Was in der Praxis ebenfalls zählt: Ein besonders dicker Handschuh ist nicht automatisch der bessere Handschuh. Wird das Material zu voluminös, werden feinere Arbeiten mühsam. Im schlechtesten Fall ziehen Mitarbeitende die Handschuhe deshalb häufiger aus – und der Schutz ist weg.
Mehr dazu: «Arbeitshandschuhe für Kälte und Nässe: Grip, Wärme und Schutz richtig kombinieren».
Eine typische Frage im Herbst lautet: Was kann unter dem Schutzhelm getragen werden, wenn es kalt wird?
Eine dicke normale Mütze ist meist keine gute Lösung. Sie kann den Sitz des Helms verändern und damit die Schutzwirkung beeinträchtigen. Sinnvoller sind geeignete Kälteschutzlösungen, die mit dem jeweiligen Helm kompatibel sind.
Prüfen sollte man dabei nicht nur Helm und Unterzieher, sondern die gesamte Kombination: Helm, Kälteschutz, Kapuze, Schutzbrille und Gehörschutz.
Bei Arbeiten mit persönlicher Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA) verlangt die BauAV zudem einen Helm mit Kinnband. Und wichtig: Eine Anstosskappe ersetzt keinen vorgeschriebenen Schutzhelm.
Mehr dazu im Beitrag «Anstosskappe oder Schutzhelm: Wann reicht welcher Kopfschutz?».
Zur Auswahl: Kopfschutz und Schutzhelme.
Nasse Dachflächen, feuchte Gerüstbeläge, Laub und erster Frost verschärfen die Bedingungen bei Arbeiten in der Höhe. Dazu kommt Wind, der beispielsweise das Handling grösserer Bauteile oder Materialien erschweren kann.
Grundsätzlich gilt: Kollektiver Absturzschutz hat Vorrang vor persönlicher Absturzschutzausrüstung.
Wo PSAgA nötig ist, reicht ein Auffanggurt allein nicht aus. Entscheidend ist ein geeignetes Gesamtsystem – inklusive geschulter Anwender, Kontrolle vor dem Einsatz und den vorgeschriebenen Prüfungen. Auch Lagerung und Pflege gehören dazu. Gurte und Verbindungsmittel sollten nicht feucht oder stark verschmutzt eingelagert werden.
Weitere Informationen finden Sie im Beitrag «Absturzsicherung: hoch hinaus und dabei sicher bleiben».
Ist die nächste Kontrolle fällig, bietet Safety-Pro die PSA- und PSAgA-Prüfung inklusive Prüfung und Dokumentation an.
Wer im Herbst zwischen kalter Aussenluft, wärmeren Innenbereichen und körperlicher Arbeit wechselt, kennt das Problem: Die Schutzbrille beschlägt. Das ist nicht nur lästig. Schlechte Sicht kann selbst zum Sicherheitsrisiko werden.
Bei der Auswahl spielen deshalb neben der eigentlichen Schutzwirkung auch Antifog-Eigenschaften, Belüftung und die Kompatibilität mit Helm, Gehör- und Atemschutz eine wichtige Rolle. Bei Dämmerung oder Nebel sollte zudem auf eine geeignete Scheibentönung geachtet werden.
Eine normale Korrektionsbrille ersetzt dabei keine Schutzbrille.
Bei den Normen befindet sich der Markt in einer Übergangsphase: Die bekannte EN 166 wird durch EN ISO 16321 abgelöst. Deshalb können unterschiedliche Kennzeichnungen im Umlauf sein.
Mehr dazu: Bügelbrillen vs. Vollsichtbrillen.
Zur Auswahl: Schutzbrillen und Gesichtsschutz.
Baulärm macht im Herbst keine Pause. Nach Suva hat sich die Regel bewährt, dass ab Leq 85 dB(A) Gehörschutz getragen werden muss.
Im Herbst kommt jedoch ein zusätzlicher Punkt dazu: Mützen, Kapuzen oder Helmunterzieher können beeinflussen, wie der Gehörschutz sitzt. Bei Kapselgehörschutz darf beispielsweise kein Stoff zwischen Dichtungsring und Kopf liegen. Sonst kann die vorgesehene Dämmwirkung beeinträchtigt werden.
Und auch hier gilt: Mehr ist nicht automatisch besser. Eine unnötig starke Dämmung kann Kommunikation erschweren und dazu führen, dass Warnsignale schlechter wahrgenommen werden.
Vertiefung: Welcher Gehörschutz für welche Umgebung?
Zu den Produkten: Gehörschutz.
Im Herbst werden Arbeiten häufiger in geschlossene oder provisorisch abgeschirmte Bereiche verlagert. Dort kann der Luftwechsel geringer sein. Beim Bohren, Trennen, Schleifen oder bei Abbrucharbeiten bleibt Staub deshalb ein wichtiges Thema.
Hier gilt das S-T-O-P-Prinzip: Staub sollte möglichst direkt an der Quelle reduziert oder abgesaugt werden. Atemschutz kommt danach.
Wo Atemschutz notwendig ist, muss die Filterklasse zur tatsächlichen Exposition passen. Genauso wichtig ist der Dichtsitz. Bartwuchs oder andere PSA können verhindern, dass eine Maske sauber am Gesicht anliegt.
Mehr dazu: «Wie Sie den richtigen Atemschutz wählen».
Zur Produktauswahl: Atemschutz.
Im Sommer besteht die Ausrüstung vielleicht aus Helm, Brille, Gehörschutz und leichter Arbeitskleidung. Im Herbst kommen plötzlich Unterziehhaube, Kapuze, Regenjacke und weitere Kleidungsschichten dazu.
Und genau hier entstehen häufig Probleme: Jedes einzelne Ausrüstungsteil kann für sich passen – die Kombination trotzdem nicht.
Typische Beispiele:
Darum lohnt es sich, Herbst-PSA nicht nur Teil für Teil anzuschauen, sondern als Gesamtsystem.
Ein einfacher Trageversuch unter möglichst realistischen Arbeitsbedingungen zeigt oft schnell, wo etwas drückt, verrutscht oder nicht sinnvoll zusammenspielt.
Vor der nasskalten Jahreszeit lohnt sich ein kurzer Praxischeck:
Für die frühzeitige Beschaffung hilft zusätzlich die Checkliste «PSA für Herbst und Winter rechtzeitig planen».
Gute PSA nützt wenig, wenn sie am nächsten Morgen noch nass im Spind hängt.
Gerade im Herbst sollte deshalb nicht nur geklärt sein, welche Ausrüstung vorhanden ist. Ebenso wichtig ist, in welchem Zustand sie wieder in den nächsten Arbeitstag startet. Dazu gehören geeignete Trocknungsmöglichkeiten, Reserveausrüstung und klare Zuständigkeiten für Kontrolle und Ersatz.
Bei prüfpflichtiger Ausrüstung kommen die jeweiligen Kontroll- und Wartungsvorgaben hinzu.
Auch die Herstellerangaben zu Reinigung, Trocknung und Lagerung sollten unbedingt beachtet werden.
Aus Sicht der Arbeitssicherheit beginnt der Herbst nicht erst mit dem ersten Schnee. Schon Nässe, Wind, Dämmerung und Temperaturen unter +10 °C können dafür sorgen, dass bisher passende Ausrüstung an ihre Grenzen kommt.
Besonders wichtig werden Fussschutz, Warnschutz, Wetter- und Handschutz. Gleichzeitig verschwinden die üblichen Baustellenrisiken natürlich nicht: Absturz, Kopfverletzungen, Staub, Lärm und Augenverletzungen bleiben weiterhin relevant.
Darum ist es sinnvoller, nicht einfach pauschal «Winter-PSA» zu bestellen, sondern zwei einfache Fragen zu stellen:
Was verändert sich bei unseren Arbeiten im Herbst?
Funktioniert unsere vorhandene PSA unter diesen Bedingungen weiterhin – auch in Kombination?
Einen umfassenden Überblick bietet ergänzend «PSA auf dem Bau in der Schweiz: Was in der Praxis wirklich zählt».
Sie möchten wissen, ob Ihre bestehende PSA für die nasskalte Jahreszeit auf der Baustelle noch passt?
Safety-Pro unterstützt Sie bei der Auswahl und Kombination geeigneter Schutzlösungen – per E-Mail, Kontaktformular, Telefon oder persönlich vor Ort.