14.09.2026
PSA für Herbst und Winter rechtzeitig planen: Checkliste für Betriebe
14.09.2026
Gut vorbereitet in die kalte Jahreszeit: Wenn die Temperaturen sinken, Regen und Wind zunehmen und die Tage kürzer werden, sind Mitarbeitende mit passender Ausrüstung von Anfang an besser geschützt und zweckmässig unterwegs.
Wer die Winter-PSA frühzeitig plant, hat genügend Zeit, den Bestand zu kontrollieren, Grössen zu aktualisieren und die Ausrüstung auf die kommenden Einsätze abzustimmen.
So entsteht Spielraum für die richtigen Entscheidungen – bevor die ersten kalten, nassen Arbeitstage anstehen und Hals über Kopf Ersatz beschafft werden muss.
Dabei geht es nicht einfach um warme Arbeitskleidung. Entscheidend ist immer die Frage: Welche Gefährdungen bestehen bei der jeweiligen Tätigkeit – und welcher Schutz wird dafür benötigt?
Je nach Arbeitsplatz bringen Kälte, Wind, Nässe, Dunkelheit, Schnee und Glätte zusätzliche Herausforderungen mit sich. Für Betriebe heisst das: Bestehende Gefährdungsbeurteilungen sollten auf saisonale Risiken überprüft und bei Bedarf aktualisiert, vorhandene PSA kontrolliert und fehlende oder beschädigte Ausrüstung rechtzeitig ersetzt werden.
Zur Prüfung und Vorbereitung gehören deshalb nicht nur Jacken und Hosen. Auch Warnschutz, Handschuhe, Sicherheitsschuhe, Zwischenlagen, Reserveausrüstung und organisatorische Massnahmen sollten berücksichtigt werden.
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Zwischen «Wir brauchen neue Winterausrüstung» und «Alle sind passend ausgerüstet» liegen oft mehrere Schritte: Bestand prüfen, Grössen erfassen, Tätigkeiten berücksichtigen, Produkte auswählen, intern freigeben und bestellen.
Bei grösseren Teams oder individueller Textilbeschriftung kommt zusätzlicher Vorlauf dazu.
Eine Bestandsaufnahme im Spätsommer oder frühen Herbst hilft, kurzfristige Improvisationen zu vermeiden.
Dabei ist vor allem zu klären:
So lässt sich die passende saisonale Ausrüstung für Herbst und Winter gezielt auf den tatsächlichen Einsatz abstimmen – statt beim ersten Wetterumschwung hektisch nachzubestellen.
Bei Herbst- und Winterarbeit denkt man zuerst an tiefe Temperaturen. In der Praxis wirken jedoch meist mehrere Faktoren zusammen.
Wind und Feuchtigkeit verstärken die Belastung. Gleichzeitig kann auch körperlich anstrengende Arbeit dazu führen, dass Kleidung von innen feucht wird. Deshalb ist die dickste Jacke nicht automatisch die beste Lösung.
Je nach Tätigkeit braucht es ein abgestimmtes Bekleidungssystem mit geeignetem Wetter- oder Kälteschutz. Ebenso wichtig sind Möglichkeiten, einzelne Kleidungsstücke zu wechseln oder zu trocknen.
Wie die einzelnen Kleidungsschichten zusammenspielen, erklären wir im Beitrag «Das Schichtprinzip bei Arbeitskleidung: So bleiben Sie bei Kälte und Nässe richtig angezogen».
Wichtig: Bekleidung allein löst das Problem nicht. Auch Windschutz, Einsatzdauer, Arbeitsplanung und Aufwärmmöglichkeiten gehören zur Wintervorbereitung.
Im Herbst werden die Tage kürzer. Regen, Nebel, Schneefall und verschmutzte Kleidung können die Sichtbarkeit zusätzlich verschlechtern.
Besonders relevant ist das beispielsweise bei:
Wo Warnschutz erforderlich ist, muss dieser auch mit der Winterbekleidung funktionieren. Eine Warnweste, die kaum über die dicke Jacke passt, oder durch weitere Ausrüstung verdeckte Warnflächen sind keine gute Lösung.
Je nach Tätigkeit sind deshalb geeignete Warnschutzkleidung oder wintertaugliche Warnschutzlösungen gefragt.
Mehr dazu lesen Sie im Beitrag «Warnschutz bei Regen, Nebel und Schnee: Sichtbar bleiben bei schlechtem Wetter».
Schnee, Eis, Matsch und überfrierende Nässe erhöhen das Rutsch- und Sturzrisiko. Hier wird besonders deutlich: PSA ist nur ein Teil der Lösung.
Geh- und Verkehrswege sind bei Schnee, Eis oder überfrierender Nässe zu sichern – je nach Situation durch Räumen, Streuen, Absperren oder eine angepasste Wegeführung. Gleichzeitig sollten Schuhe zum Untergrund und zur Tätigkeit passen.
Beim Fussschutz spielen im Winter unter anderem Nässeschutz, Profil, Sohlenkonstruktion, Kälteeinwirkung und die übrigen Schutzanforderungen eine Rolle. Auch ein geeigneter Sicherheitsschuh macht eine vereiste Fläche nicht automatisch sicher. Räumen, Streuen und eine sichere Wegeführung bleiben unverzichtbar.
Welche grundsätzliche Schutzklasse zum jeweiligen Einsatz passt, erklären wir auch im Beitrag «S1, S2 oder S3 – welche Sicherheitsschuhe passen zu welchem Einsatzbereich?».
Ein warmer Pullover ist nicht automatisch persönliche Schutzausrüstung.
PSA kommt dort ins Spiel, wo Kleidung oder Ausrüstung benötigt wird, um eine konkrete berufliche Gefährdung zu reduzieren.
Das kann zum Beispiel betreffen:
Gemäss Art. 27 der Verordnung 3 zum Arbeitsgesetz muss der Arbeitgeber geeignete persönliche Schutzausrüstung zur Verfügung stellen, wenn technische oder organisatorische Massnahmen eine Gesundheitsgefährdung nicht vollständig ausschliessen können.
Werden mehrere PSA gleichzeitig getragen, müssen sie zudem aufeinander abgestimmt sein und dürfen sich in ihrer Schutzwirkung nicht beeinträchtigen.
Die Auswahl beginnt deshalb nicht beim Produkt, sondern bei der Gefährdung.
Beim saisonalen PSA-Check reicht es nicht, Jacken, Handschuhe oder Schuhe zu zählen. Entscheidend ist ihr Zustand. Achten Sie unter anderem auf:
Verschmutzte Warnschutzkleidung muss nicht automatisch ersetzt werden. Zuerst sollte sie gemäss Herstellerangaben gereinigt werden. Ist die Sichtbarkeit trotz fachgerechter Reinigung erkennbar beeinträchtigt oder sind Warn- und Reflexmaterialien beschädigt, sollte die Kleidung geprüft und bei Bedarf ersetzt werden.
Ähnliches gilt für Regenbekleidung: Dringt Wasser durch Material, Nähte oder Reissverschlüsse oder ist die Beschichtung beschädigt, sollte die Schutzwirkung überprüft werden. Herstellerangaben zu Pflege, Nachbehandlung und Nutzungsdauer sind dabei zu beachten.
«Noch tragbar» und «noch zuverlässig schützend» sind zwei verschiedene Dinge.
Eine Jacke kann technisch bestens geeignet sein – und trotzdem im Alltag Probleme verursachen, wenn sie schlecht sitzt oder andere Ausrüstung behindert.
Winterbekleidung braucht genügend Platz für Zwischenlagen, ohne die Beweglichkeit unnötig einzuschränken.
Prüfen Sie deshalb das Zusammenspiel:
Gerade bei Handschuhen gibt es oft einen Zielkonflikt: Mehr Isolation bedeutet häufig weniger Feinmotorik. Die passende Lösung hängt deshalb von der konkreten Tätigkeit ab.
Weitere Hinweise finden Sie im Beitrag «Arbeitshandschuhe für Kälte und Nässe: Grip, Wärme und Schutz richtig kombinieren».
Normen helfen dabei, Schutzfunktionen einzuordnen. Welche PSA tatsächlich erforderlich ist, ergibt sich jedoch aus Gefährdungsbeurteilung, Einsatzbedingungen und Herstellerangaben.
Eine Normkennzeichnung allein bedeutet also nicht, dass ein Produkt für jeden Wintereinsatz geeignet ist.
Die EN 343 betrifft Schutzkleidung gegen Regen und andere nasse Witterungseinflüsse. Bewertet werden unter anderem der Widerstand gegen Wasserdurchtritt und der Wasserdampfwiderstand.
Vereinfacht gesagt: Wie gut schützen Material und Nähte vor Nässe von aussen – und wie gut kann Wasserdampf aus dem Bekleidungssystem entweichen?
Gerade bei körperlicher Arbeit ist beides wichtig. Eine Jacke kann Regen zuverlässig abhalten und trotzdem unangenehm sein, wenn sich darunter Feuchtigkeit staut.
Die EN 342 betrifft Schutzkleidung beziehungsweise Bekleidungssysteme für kalte Umgebungen, insbesondere bei Temperaturen von −5 °C oder tiefer.
Bewertet werden unter anderem Wärmeisolation und Luftdurchlässigkeit. Ob entsprechende Kleidung notwendig ist, hängt aber nicht nur von der Temperatur ab. Auch Wind, Nässe, Einsatzdauer und körperliche Belastung spielen eine Rolle.
Ein Produkt nach EN 342 ist nicht automatisch auch als Regenschutz geeignet. Bei Nässe kann – abhängig vom Einsatz – zusätzlich Wetterschutz nach EN 343 erforderlich sein.
Die EN ISO 20471 legt Anforderungen an hochsichtbare Warnkleidung fest.
Sie ist insbesondere dort relevant, wo Personen im Bereich von Fahrzeugen oder Verkehr frühzeitig erkannt werden müssen. Welche Warnschutzklasse erforderlich ist, hängt von der konkreten Gefährdung ab – beispielsweise von Verkehrsaufkommen, Geschwindigkeit, Sichtverhältnissen und Arbeitsumgebung.
Bei Arbeiten im Umfeld öffentlicher Strassen ist Warnkleidung vorgeschrieben. Im Herbst und Winter sollte zusätzlich geprüft werden, ob weitere Kleidungsschichten oder Arbeitsmaterialien bestehende Warnflächen verdecken.
Die EN 511 betrifft Schutzhandschuhe gegen Kälte. Bei vielen Tätigkeiten bestehen gleichzeitig mechanische Gefährdungen. Dann kann zusätzlich beispielsweise die EN 388 relevant sein.
Deshalb gilt auch hier: Nicht einfach nach «Winterhandschuhen» auswählen, sondern nach Tätigkeit und Gefährdung.
Selbst die beste PSA funktioniert nur zuverlässig, wenn sie richtig gepflegt wird.
Eine verschmutzte Warnschutzjacke, dauerhaft feuchte Schuhe oder falsch gewaschene Schutzbekleidung können ihre Funktion beeinträchtigen.
Wichtig sind deshalb:
Auch Imprägnierungen oder andere Nachbehandlungen sollten nur gemäss Herstellerangaben erfolgen.
Reserve-PSA wird meistens dann wichtig, wenn niemand Zeit hat, sie erst noch zu organisieren.
Typische Fälle:
Wie gross ein Reservebestand sein sollte, hängt von Teamgrösse, Einsatzhäufigkeit, Verschleiss, Lieferzeiten und Nachbeschaffungsmöglichkeiten ab.
Für häufig benötigte Artikel und exponierte Teams kann ein kleiner Vorrat an gängigen Grössen, Ersatzhandschuhen oder trockener Wechselkleidung sinnvoll sein.
Das ist praktische Vorsorge – keine pauschale Pflicht, jedes Produkt mehrfach einzulagern.
Für viele Betriebe reicht ein klarer saisonaler Ablauf, um rechtzeitig gut für Herbst und Winter gerüstet zu sein.
August / früher September:
Bestand kontrollieren, beschädigte PSA aussortieren, neue Mitarbeitende berücksichtigen und Bedarf erfassen.
September:
Grössen aktualisieren, Schutzanforderungen prüfen, Produkte auswählen und Freigaben einholen. Bei grösseren Mengen oder Beschriftungen genügend Vorlauf einplanen.
Oktober:
Ausrüstung ausgeben, Passform kontrollieren, Mitarbeitende instruieren und Reservebestand ergänzen.
Nach den ersten Wintereinsätzen:
Prüfen, wie gut die Ausrüstung im Alltag funktioniert. Gibt es Probleme mit Nässe, Wärme, Beweglichkeit, Grip oder Sichtbarkeit, kann gezielt nachgebessert werden.
Je nach Branche, Höhenlage und Einsatzgebiet kann sich dieser Zeitplan verschieben.
Der wichtigste Grundsatz bleibt:
Planen Sie, bevor die Ausrüstung dringend gebraucht wird.
Gehen Sie vor Saisonbeginn diese zehn Punkte durch, um den Bedarf an PSA zu ermitteln:
Wenn Sie bei mehreren Punkten nicht eindeutig Ja sagen können, haben Sie bereits Ihre Prioritätenliste für die Wintervorbereitung.
Auch gute Ausrüstung schützt nur dann zuverlässig, wenn sie richtig eingesetzt wird.
Dafür braucht es nicht zwingend eine lange Schulung. Oft reichen einige konkrete Punkte aus dem eigenen Arbeitsalltag:
Neue Mitarbeitende, Lernende, Aushilfen und Temporärpersonal sollten dabei ausdrücklich mitgedacht werden.
Bei der Wintervorbereitung kommen häufig mehrere Bereiche zusammen.
Der Einkauf kennt Bestellprozesse und Lieferzeiten. Sicherheitsverantwortliche beurteilen Gefährdungen. Teamleitungen wissen, unter welchen Bedingungen tatsächlich gearbeitet wird. Und Mitarbeitende kennen die praktischen Schwachstellen der vorhandenen Ausrüstung besonders gut.
Deshalb lohnt sich eine einfache Klärung:
Wer prüft? Wer entscheidet? Wer bestellt? Wer gibt aus? Wer kontrolliert nach?
Gerade bei kleineren KMU können mehrere dieser Rollen bei derselben Person liegen. Entscheidend ist nicht die Menge an Administration, sondern dass klar ist, wer sich darum kümmert.
Gute Herbst- und Wintervorbereitung bedeutet nicht, möglichst viel Ausrüstung zu bestellen.
Es geht darum, die tatsächlichen Risiken zu kennen und vorhandene PSA rechtzeitig auf Zustand, Passform und Eignung zu prüfen.
Dazu gehören Wetterschutz und Wärme ebenso wie Sichtbarkeit, Grip, Beweglichkeit, Pflege und das Zusammenspiel verschiedener Schutzprodukte.
Und: Technische und organisatorische Massnahmen bleiben genauso wichtig. Gesicherte Verkehrswege, ausreichende Beleuchtung, eine sinnvolle Einsatzplanung und Aufwärmmöglichkeiten lassen sich nicht durch eine Winterjacke ersetzen.
Wer Bestand, Beschaffung, Reserve und Zuständigkeiten frühzeitig klärt, startet deutlich entspannter in die kalte Jahreszeit.
Sie planen die Winterausrüstung für einzelne Mitarbeitende oder ein ganzes Team und sind bei Schutzfunktionen, Grössen oder der Kombination verschiedener PSA noch unsicher? Safety-Pro unterstützt Sie bei der Auswahl geeigneter Lösungen – per E-Mail, Kontaktformular, Telefon oder persönlich vor Ort in Rheinfelden.