21.08.2026
Arbeiten bei Regen: Wetterschutzkleidung richtig auswählen
21.08.2026
Ein kurzer Regenschauer auf dem Weg vom Fahrzeug zur Baustelle ist das eine. Mehrere Stunden draussen arbeiten – bei Wind, Dauerregen oder auf nassem Untergrund – etwas ganz anderes.
Wer regelmässig bei Regen arbeitet, braucht deshalb mehr als einfach irgendeine wasserdichte Jacke. Entscheidend ist, dass die Wetterschutzkleidung zur tatsächlichen Arbeitssituation passt.
Fragen wie «Wie lange dauert der Einsatz?», «Wie stark regnet es?», «Wie körperlich anstrengend ist die Tätigkeit?», «Wird zusätzlich Warnschutz benötigt?» oder «Lässt sich die Kleidung problemlos mit Schutzhelm, Handschuhen und Sicherheitsschuhen kombinieren?» sollten im Vorfeld geklärt werden, damit die spätere Auswahl auch wirklich zum Einsatz passt.
Für Betriebe lohnt es sich deshalb, Regenschutz nicht nur nach Preis, Material oder Wassersäule auszuwählen. Einen Überblick über geeignete Bekleidung für unterschiedliche Arbeitsbedingungen finden Sie bei Safety-Pro im Bereich Arbeits-, Berufs- und Schutzkleidung.
Gute Wetterschutzkleidung hält nicht einfach nur Regen ab. Sie muss zum Einsatz passen.
Bei kurzen Tätigkeiten und leichtem Nieselregen kann wasserabweisende Kleidung ausreichen. Wer dagegen über längere Zeit bei Regen, Wind oder Nässe arbeitet, braucht einen zuverlässigeren Schutz – mit wasserdichtem Material, passenden Nähten und Verschlüssen sowie einer Atmungsaktivität des Materials, die zur körperlichen Belastung passt.
Die bekannte Norm EN 343 hilft dabei, Wasserdichtigkeit und Wasserdampfwiderstand besser einzuordnen. Inzwischen gilt mit SN EN ISO 24232:2025 auch in der Schweiz die Nachfolgenorm für Schutzkleidung gegen Regen.
Für die praktische Auswahl bleibt aber vor allem eines wichtig:
Eine gute Normklasse allein macht noch keine gute Regenkleidung für jeden Arbeitsplatz.
Direkt zur 5-Punkte-Auswahlhilfe
EN 343 und SN EN ISO 24232 verständlich erklärt
Regen wird im Arbeitsalltag schnell zu einem Sicherheits- und Gesundheitsthema.
Kleidung kann durchnässen, Wind verstärkt die Auskühlung und nasse Materialien werden schwer und unangenehm zu tragen. Gleichzeitig produziert der Körper bei körperlicher Arbeit Wärme und Schweiss. So kann es passieren, dass man trotz wasserdichter Jacke von innen feucht wird.
Dazu kommen weitere praktische Fragen:
Passt die Kapuze über den Schutzhelm? Bleibt das Sichtfeld frei? Kann man die Arme noch gut bewegen? Sind Taschen weiterhin erreichbar? Läuft bei Arbeiten über Kopf Wasser in die Ärmel? Und ist die Person bei Regen, Nebel oder Dämmerung für Fahrzeuge ausreichend sichtbar?
Typische Einsatzbereiche von Regenschutzkleidung sind zum Beispiel:
Die passende Lösung beginnt deshalb immer bei der Tätigkeit – nicht bei der Jacke.
Die Begriffe werden im Alltag gerne durcheinandergebracht. Für die Auswahl von Arbeitskleidung ist der Unterschied aber wichtig:
Wasserabweisende Kleidung lässt Regentropfen zunächst vom Obermaterial abperlen. Das kann für kurze Wege, Spritzwasser oder einen leichten Schauer durchaus genügen. Allerdings lässt die Wirkung der Imprägnierung mit der Zeit nach – beispielsweise durch Gebrauch, Schmutz und Waschen.
Wasserdichte Wetterschutzkleidung ist dagegen für stärkere und länger anhaltende Nässe ausgelegt. Dabei reicht ein wasserdichter Stoff allein nicht aus.
Auch Nähte, Reissverschlüsse, Kragen und Abschlüsse müssen so konstruiert sein, dass sie den Einsatz mitmachen.
Das ist zum Beispiel wichtig, wenn Mitarbeitende auf nassen Flächen knien, auf einer feuchten Maschine sitzen, einen Gurt tragen oder mehrere Stunden Wind und Regen ausgesetzt sind.
Eine hohe Wassersäule auf dem Produktdatenblatt ist deshalb hilfreich – sagt aber noch nicht alles darüber aus, wie gut ein Kleidungsstück im Arbeitsalltag funktioniert.
Wer draussen arbeitet, muss in der Schweiz vor ungünstigen Witterungseinflüssen geschützt werden.
Art. 21 der Verordnung 3 zum Arbeitsgesetz verlangt bei Arbeiten im Freien beziehungsweise in ungeheizten oder nicht vollständig umwandeten Bereichen geeignete Massnahmen zum Schutz vor Kälte- und Witterungseinflüssen.
Das bedeutet allerdings nicht einfach: Regenjacke verteilen, Aufgabe erledigt.
Wie auch bei anderen Arbeitsschutzthemen sollte zuerst die konkrete Situation beurteilt werden. Wo möglich, kommen technische und organisatorische Massnahmen zum Einsatz, beispielsweise:
Erst zusammen mit der passenden persönlichen Schutzausrüstung entsteht ein sinnvoller Gesamtschutz.
Das SECO weist zudem darauf hin, dass notwendige Arbeitskleidung wie Regenschutz bei Tätigkeiten im Freien zur persönlichen Schutzausrüstung gehören kann und anhand der betrieblichen Risikobeurteilung auszuwählen ist.
Viele professionelle Regenjacken und Regenhosen tragen die Kennzeichnung EN 343. Sie war über viele Jahre die zentrale europäische Norm für Schutzkleidung gegen Regen.
Inzwischen gilt mit SN EN ISO 24232:2025 – Schutzkleidung – Schutz gegen Regen auch in der Schweiz die Nachfolgenorm. Sie basiert auf ISO 24232:2024 und löst EN 343 ab.
Für Betriebe ist deshalb aktuell beides relevant:
EN 343 wird bei vorhandener und bereits entsprechend gekennzeichneter Kleidung noch längere Zeit sichtbar bleiben. Bei Neubeschaffungen lohnt sich deshalb ein Blick auf die aktuelle Normkennzeichnung und die Herstellerdokumentation.
Sowohl die bisherige EN 343:2019 als auch die Nachfolgenorm bewerten zwei Eigenschaften, die im Arbeitsalltag besonders wichtig sind:
Gerade bei körperlich anstrengender Arbeit ist der zweite Wert besonders wichtig.
Wer nach EN 343 recherchiert, stösst noch häufig auf Angaben mit drei Klassen.
Der Grund ist einfach: Frühere Ausgaben der Norm arbeiteten mit drei Leistungsstufen. Mit EN 343:2019 kam eine vierte Klasse hinzu.
Bei Produkten und Unterlagen sollte deshalb immer geprüft werden, auf welche Ausgabe der Norm sich die Kennzeichnung bezieht.
Eine Normklasse beantwortet nicht die gesamte Beschaffungsfrage.
Eine sehr wasserdichte Jacke kann ungeeignet sein, wenn sie bei körperlicher Arbeit zu wenig Feuchtigkeit nach aussen transportiert. Eine leichte und atmungsaktive Jacke kann wiederum bei langem Starkregen, knienden Tätigkeiten oder starkem Wind an ihre Grenzen kommen.
Normkonform bedeutet deshalb nicht automatisch: für jeden Einsatz geeignet.
Bei Regen kommt Feuchtigkeit nicht nur von aussen.
Wer Material trägt, montiert, schaufelt, Maschinen bedient oder längere Strecken zu Fuss zurücklegt, produziert Wärme und Schweiss. Kann diese Feuchtigkeit nicht ausreichend nach aussen entweichen, wird die Kleidung innen feucht.
Das ist nicht nur unangenehm.
Sinkt die körperliche Aktivität anschliessend – zum Beispiel während einer Pause oder bei einer ruhigeren Tätigkeit –, kann der Körper schneller auskühlen.
Bei körperlich intensiven Einsätzen sollte deshalb nicht nur auf eine hohe Wasserdichtigkeit geachtet werden, sondern ebenso auf:
Ein flexibles Mehrlagensystem funktioniert in der Praxis häufig besser als eine einzelne sehr dicke Bekleidungsschicht. Weitere geeignete Bekleidungslösungen für unterschiedliche Witterungsbedingungen finden Sie bei Safety-Pro im Bereich Saisonale Ausrüstung.
Die richtige Auswahl hängt davon ab, wie Wetter, Tätigkeit und Arbeitsumgebung zusammenspielen.
Wer nur kurz zwischen Fahrzeug, Lager und Gebäude unterwegs ist oder gelegentlich leichtem Nieselregen ausgesetzt wird, kommt je nach Gefährdungsbeurteilung möglicherweise mit wasserabweisender Arbeitskleidung aus.
Für längere Einsätze sollte diese Lösung allerdings nicht überschätzt werden.
Wer mehrere Stunden im Freien arbeitet, braucht in der Regel einen zuverlässigeren Wetterschutz.
Häufig gehört dazu nicht nur eine geeignete Regenjacke, sondern auch eine Regenhose.
Zu prüfen sind insbesondere:
Bei starkem oder windgetriebenem Regen werden die Übergänge besonders wichtig. Wasser findet seinen Weg gerne über Ärmel, Kragen, Frontverschluss oder Kapuze ins Innere.
Jacke und Hose sollten deshalb als System funktionieren und nicht unabhängig voneinander betrachtet werden.
Hier spielt die Atmungsaktivität eine besonders grosse Rolle. Eine extrem dichte, aber schlecht dampfdurchlässige Lösung kann dazu führen, dass Mitarbeitende stark schwitzen und die Jacke irgendwann öffnen oder ganz ausziehen.
Dann geht der eigentliche Wetterschutz verloren.
Beim Knien auf nassem Untergrund oder Sitzen auf einer feuchten Fläche entsteht zusätzlicher Druck auf das Material.
Bei solchen Arbeiten sollten insbesondere Regenhose, Sitzbereich, Kniepartien, Nähte und mechanische Belastbarkeit berücksichtigt werden.
Vor der Beschaffung helfen fünf einfache Fragen.
Ein zehnminütiger Ausseneinsatz stellt andere Anforderungen als vier Stunden Arbeit auf einer Baustelle.
Leichter Nieselregen, Dauerregen, Starkregen, Spritzwasser und direkter Kontakt mit nassen Flächen belasten Kleidung unterschiedlich.
Je höher die körperliche Belastung, desto wichtiger werden Atmungsaktivität, Belüftung und ein passendes Schichtsystem.
Wer an oder in der Nähe von Verkehrswegen arbeitet, braucht möglicherweise eine Kombination aus Regenschutz und zertifiziertem Warnschutz.
Regenkleidung sollte möglichst zusammen mit der tatsächlich verwendeten Ausrüstung ausprobiert werden:
Passform und Bewegungsfreiheit sind Sicherheitskriterien – keine reine Komfortfrage.
Ob Wetterschutzkleidung im Arbeitsalltag wirklich funktioniert, zeigt sich oft an Details, die auf den ersten Blick nebensächlich wirken.
Darauf lohnt sich bei der Auswahl ein genauer Blick:
Regen, Nebel und schlechte Lichtverhältnisse verschlechtern die Sichtbarkeit.
Gerade auf Baustellen, Werkhöfen und Verkehrswegen kann deshalb neben Wetterschutz auch zertifizierter Warnschutz notwendig sein. Auch die Suva weist bei Arbeiten im Freien auf die Bedeutung von Warn- und Wetterschutzkleidung hin.
Eine neongelbe oder orange Regenjacke ist jedoch nicht automatisch Warnschutzkleidung.
Für zertifizierte Warnschutzkleidung gelten Anforderungen an fluoreszierendes Hintergrundmaterial, retroreflektierende Flächen und deren Anordnung.
Die EN ISO 20471 unterscheidet drei Klassen. Klasse 3 bietet das höchste Sichtbarkeitsniveau.
Wenn sowohl Regen- als auch Warnschutz erforderlich sind, kann zertifizierte Warnschutz-Wetterschutzkleidung sinnvoll sein.
Eine zusätzliche Warnweste über einer Regenjacke ist dabei nicht automatisch die bessere Lösung. Je nach Kombination können Taschen verdeckt, Bewegungen eingeschränkt oder Warnflächen ungünstig angeordnet werden.
Bei Safety-Pro finden Sie dafür unter anderem Warnschutzkleidung sowie Warnschutzjacken für unterschiedliche Einsatzbedingungen.
Ein Monteur arbeitet mehrere Stunden im Freien an einer Fassade. Es regnet konstant, zeitweise kommt Wind dazu. Er trägt Schutzhelm und Handschuhe und arbeitet häufig mit erhobenen Armen.
In dieser Situation reicht die Frage «Ist die Jacke wasserdicht?» nicht aus.
Viel wichtiger ist:
Das Beispiel bringt es gut auf den Punkt:
Wetterschutz ist ein System – kein einzelnes Kleidungsstück.
Einige Fehler begegnen in der Praxis immer wieder:
Viele dieser Probleme lassen sich bereits bei der Beschaffung vermeiden.
Ideal ist, wenn Mitarbeitende in die Auswahl einbezogen werden und die Kleidung möglichst unter realistischen Bedingungen anprobieren können.
Auch hochwertige Wetterschutzkleidung behält ihre Eigenschaften nicht automatisch über Jahre. Die konkreten Pflegehinweise des Herstellers haben deshalb immer Vorrang.
Grundsätzlich sinnvoll ist:
Wichtig ist auch die Unterscheidung zwischen Imprägnierung und Wasserdichtigkeit.
Eine Imprägnierung unterstützt vor allem das Abperlen von Wasser auf dem Obermaterial und kann damit auch den Tragekomfort verbessern. Sie macht ein Kleidungsstück aber nicht automatisch wasserdicht.
Wer Wetterschutzkleidung beschafft, beginnt häufig mit der Frage:
«Welche Jacke hat den höchsten Wert?»
Hilfreicher ist es, zuerst drei andere Fragen zu beantworten:
Erst danach lohnt es sich, Normklassen, Materialien und konkrete Produkte miteinander zu vergleichen.
Für einen breiteren Überblick zur Auswahl persönlicher Schutzausrüstung finden Sie bei Safety-Pro auch den Beitrag Persönliche Schutzausrüstung in der Schweiz: Was Betriebe über PSA wissen müssen.
Ergänzende saisonale Schutzlösungen finden Sie ausserdem im Bereich Saisonale Ausrüstung.
Nein. Wasserabweisende Oberflächen sorgen dafür, dass Regentropfen zunächst abperlen. Bei längerer oder stärkerer Nässe kann das Material trotzdem durchfeuchten. Wasserdichte Schutzkleidung ist für höhere Nässebelastungen ausgelegt.
EN 343 war über viele Jahre die zentrale europäische Norm für Schutzkleidung gegen Regen. Bewertet wurden insbesondere der Widerstand gegen Wasserdurchgang und der Wasserdampfdurchgangswiderstand.
EN 343 ist auf vielen bestehenden Kleidungsstücken weiterhin zu finden und bleibt deshalb im Arbeitsalltag relevant.
Inzwischen gilt in der Schweiz SN EN ISO 24232:2025 als Nachfolgenorm für Schutzkleidung gegen Regen. Bei Neubeschaffungen lohnt sich deshalb ein Blick auf die genaue Normkennzeichnung und die Herstellerdokumentation.
Bei EN 343:2019 steht Klasse 4 sowohl beim Widerstand gegen Wasserdurchgang als auch beim Wasserdampfdurchgangswiderstand für die jeweils höchste Leistungsstufe.
Das bedeutet aber nicht, dass Klasse 4 für jede Tätigkeit notwendig ist. Entscheidend bleibt immer der konkrete Einsatz.
Auch atmungsaktive Materialien können nur eine begrenzte Menge Wasserdampf transportieren.
Bei hoher körperlicher Belastung, hoher Luftfeuchtigkeit, ungeeigneter Unterbekleidung oder fehlender Belüftung kann sich deshalb trotzdem Feuchtigkeit im Inneren sammeln.
Nicht unbedingt. Bei längeren Ausseneinsätzen, knienden Arbeiten, starkem Regen oder Kontakt mit nassen Flächen ist eine passende Regenhose jedoch häufig genauso wichtig wie die Jacke.
Wetterschutzkleidung soll Mitarbeitende trocken halten. Doch damit ist die Auswahl noch nicht abgeschlossen.
Einsatzdauer, Regenintensität, körperliche Belastung, Wind, Sichtbarkeit und Bewegungsfreiheit sollten immer zusammen betrachtet werden.
Dazu kommen die verwendete PSA und die Frage, ob Jacke und Hose auch nach mehreren Stunden noch praktisch und angenehm zu tragen sind.
EN 343 beziehungsweise die aktuelle SN EN ISO 24232 helfen dabei, die Leistungsfähigkeit von Schutzkleidung besser einzuordnen. Die Norm ersetzt aber nicht die Beurteilung des konkreten Arbeitsplatzes.
Wer deshalb zuerst den tatsächlichen Einsatz betrachtet und erst danach Produkte vergleicht, findet in der Regel die passendere Lösung.
Sie sind unsicher, welche Wetterschutzkleidung zu Ihrer Arbeitssituation passt oder wie sich Regen-, Warn- und weitere PSA sinnvoll kombinieren lassen? Safety-Pro unterstützt Sie gerne bei der Auswahl und Einordnung der passenden Lösung – per E-Mail, Kontaktformular, Telefon oder persönlich vor Ort.