02.11.2026
Kalte Füsse trotz Winter-Sicherheitsschuhen? Ursachen und Lösungen
02.11.2026
Die Sicherheitsschuhe sind gefüttert, die Wintersocken angezogen – und trotzdem werden die Zehen kalt. Besonders bei Arbeiten im Freien, auf Baustellen, an Verladerampen oder in unbeheizten Hallen kennen viele Mitarbeitende dieses Problem.
Oft liegt der Verdacht nahe, dass die Schuhe nicht warm genug sind. Doch das ist längst nicht immer die Ursache. Auch Feuchtigkeit, eine ungünstige Passform oder langes Stehen auf kaltem Untergrund können dazu führen, dass die Füsse auskühlen.
Entscheidend ist nicht allein das Warmfutter, sondern das Zusammenspiel von Schuh, Socke und Arbeitsbedingungen. Wer die Ursachen kennt, kann gezielt gegensteuern – häufig ohne gleich neue Sicherheitsschuhe anschaffen zu müssen.
Bevor Sie Ihre Winter-Sicherheitsschuhe ersetzen, lohnt es sich deshalb, diese Punkte systematisch zu prüfen.
Direkt zur Checkliste: Was tun gegen kalte Füsse?
Zur Erklärung: Was bedeutet die CI-Kennzeichnung?
Wer kalte Füsse hat, greift häufig zu besonders dicken Socken oder zieht gleich zwei Paar übereinander. Das kann helfen – allerdings nur, wenn im Schuh genügend Platz vorhanden ist.
Sitzen die Socken zu eng, werden die Zehen eingeengt und isolierende Materialschichten zusammengedrückt. Gleichzeitig kann der Druck die Durchblutung beeinträchtigen.
Typische Anzeichen sind:
Praxistipp: Probieren Sie Winter-Sicherheitsschuhe mit den Socken an, die Sie später tatsächlich bei der Arbeit tragen. Die Zehen benötigen genügend Bewegungsfreiheit, während der Fuss insgesamt sicher im Schuh sitzen muss.
Feuchtigkeit ist eine häufig unterschätzte Ursache für kalte Füsse. Dabei muss das Wasser nicht einmal von aussen eindringen.
Ein Beispiel aus der Logistik: Ein Mitarbeiter bewegt sich während der Kommissionierung in einer beheizten Halle. Durch die körperliche Arbeit schwitzen seine Füsse. Anschliessend steht er längere Zeit an einer kalten Verladerampe. Die Feuchtigkeit im Schuh beeinträchtigt nun die Wärmeisolierung.
Ähnliche Situationen entstehen auf Baustellen, wenn sich körperlich anstrengende Arbeiten mit längeren Wartezeiten abwechseln. Hinzu kommt äussere Nässe durch Regen, Schnee oder Schneematsch. Auch Wasser, das über den Schaftrand eindringt, kann die Socken durchnässen.
Wichtig: Wasserdichte Sicherheitsschuhe schützen entsprechend ihren geprüften Eigenschaften vor eindringendem Wasser. Sie verhindern jedoch nicht automatisch, dass sich Schweissfeuchtigkeit im Schuh ansammelt.
Welche Eigenschaften bei Nässe und Kälte wichtig sind, erklärt unser Fachbeitrag «Sicherheitsschuhe bei Nässe, Schlamm und Kälte: So finden Sie den richtigen Schutz».
Nach einer langen Arbeitsschicht kann sich Feuchtigkeit im Schuh angesammelt haben. Werden die Schuhe über Nacht nicht vollständig trocken, beginnt der nächste Arbeitstag bereits mit ungünstigen Voraussetzungen. Das betrifft besonders Mitarbeitende, die täglich bei Nässe oder unter körperlich anstrengenden Bedingungen arbeiten.
Achten Sie deshalb auf eine ausreichende Trocknung:
Bei regelmässig durchnässten Sicherheitsschuhen kann ein zweites Paar erforderlich sein. Die Suva hält fest, dass bei dauernder Nässeexposition mit durchnässten Schuhen ein Wechselpaar zur Verfügung stehen muss.
Auch ein gut gefütterter Sicherheitsschuh kann auf kalten Böden an seine Grenzen stossen: Wer über längere Zeit auf Beton, Metallflächen oder anderen kalten Untergründen steht, verliert Wärme über den Sohlenbereich. Ein warmes Innenfutter bedeutet nicht automatisch, dass auch die Sohle ausreichend gegen Kälte isoliert.
Besonders betroffen sind Arbeitsplätze mit langen Standzeiten, beispielsweise in Werkhallen, an Verladerampen oder in Kühlbereichen. Hier lohnt es sich, zwei Dinge zu prüfen: die Kälteisolierung der Sicherheitsschuhe und die Möglichkeit, den Arbeitsplatz mit geeigneten wärmeisolierenden Standmatten auszustatten.
Bei körperlicher Aktivität produziert der Körper mehr Wärme als bei überwiegend unbewegten Tätigkeiten. Deshalb können dieselben Sicherheitsschuhe während des Gehens angenehm warm sein, während die Zehen bei längeren Standphasen auskühlen.
Das zeigt sich etwa bei Kontrollarbeiten, Maschinenüberwachung oder Wartezeiten im Freien. Wo es die Arbeitssicherheit zulässt, können regelmässige Bewegung und Tätigkeitswechsel helfen. Bei längerer Kälteexposition sind darüber hinaus geeignete Aufwärmphasen und organisatorische Schutzmassnahmen notwendig.
Das SECO empfiehlt, langes Arbeiten in statischen Körperhaltungen möglichst zu vermeiden.
Gute Wintersocken müssen nicht möglichst dick sein. Entscheidend sind das Material, der Umgang mit Feuchtigkeit und die Passform im Schuh.
Wollsocken und Wollmischungen
Wolle eignet sich grundsätzlich gut für kalte Arbeitsbedingungen. Sie kann Feuchtigkeit aufnehmen und trägt auch bei einer gewissen Restfeuchtigkeit zur Wärmeisolierung bei. Allerdings müssen Sockendicke und Schuhgrösse aufeinander abgestimmt sein.
Merinosocken
Merinowolle ist eine gute Option für Wintersocken. Sie bietet angenehme Trageeigenschaften und kann Feuchtigkeit aufnehmen. Sie ist jedoch nicht grundsätzlich besser als jede andere hochwertige Wollmischung oder Funktionssocke.
Synthetische Funktionssocken
Geeignete Funktionsfasern können Feuchtigkeit von der Haut wegtransportieren. Voraussetzung ist allerdings, dass die Feuchtigkeit im Schuh weiter aufgenommen oder abgeführt werden kann.
Baumwollsocken
Bei feuchten Kältebedingungen sind reine Baumwollsocken häufig weniger geeignet. Baumwolle kann viel Feuchtigkeit aufnehmen und verliert im feuchten Zustand einen Teil ihrer isolierenden Wirkung.
Ein oder zwei Paar Socken?
Zwei aufeinander abgestimmte Sockenschichten können sinnvoll sein. Voraussetzung ist ausreichend Platz im Sicherheitsschuh. Sitzen die Schuhe ohnehin eng, ist eine einzelne, passende Winter- oder Funktionssocke häufig die bessere Lösung.
Merksatz: Trockene Füsse und ausreichend Zehenfreiheit sind wichtiger als eine möglichst dicke Sockenschicht.
Eine wärmeisolierende Einlegesohle kann den Kälteschutz im Sohlenbereich verbessern. Besonders bei längeren Standzeiten auf kalten Böden erscheint das als einfache Lösung.
Bei zertifizierten Sicherheitsschuhen ist jedoch Vorsicht geboten: Die Schutzwirkung wird für eine bestimmte Schuhkonstruktion geprüft. Dazu gehört auch die vorgesehene Einlegesohle. Wird diese durch ein ungeeignetes Produkt ersetzt oder eine zusätzliche Sohle eingelegt, können sich wichtige Eigenschaften verändern.
Beispielsweise kann sich der verfügbare Raum unter der Zehenschutzkappe verringern.
Deshalb sollten Sie:
Eine Thermosohle macht einen ungeeigneten Sicherheitsschuh nicht automatisch wintertauglich. Wenn die vorhandene Kälteisolierung nicht zu den Arbeitsbedingungen passt, ist ein entsprechend ausgestattetes Schuhmodell die bessere Lösung.
Wer Sicherheitsschuhe für kalte Arbeitsbedingungen auswählt, sollte auf die Kennzeichnung CI achten.
CI steht für Cold Insulation und bezeichnet eine zusätzliche, geprüfte Kälteisolierung des Sohlenkomplexes. Diese Eigenschaft ist in der Schweizer Norm SN EN ISO 20345:2022 mit der Änderung A1:2024 geregelt. Bei bereits vorhandenen Schuhen ist jeweils die tatsächlich angegebene Normfassung zu berücksichtigen.
Die CI-Kennzeichnung ist insbesondere bei Arbeiten auf kalten Böden oder bei längerer Kälteexposition relevant. Sie bedeutet allerdings nicht, dass der Schuh bei jeder Minustemperatur und über beliebig lange Zeit warme Füsse garantiert.
Auch die übrige Schuhkonstruktion, die Passform, Feuchtigkeit und körperliche Aktivität beeinflussen den tatsächlichen Wärmeschutz.
Mehr zu den Kennzeichnungen erfahren Sie im Safety-Pro-Fachbeitrag «Was bedeuten S3L, S3S, S7, WPA, WR, CI, SR oder FO bei Sicherheitsschuhen?».
Nicht jede Ursache für kalte Füsse lässt sich durch andere Sicherheitsschuhe beheben. Auch die Gestaltung des Arbeitsplatzes und die Arbeitsorganisation beeinflussen die Kältebelastung.
In der Schweiz sind Arbeitgeber verpflichtet, die erforderlichen Massnahmen zum Gesundheitsschutz zu treffen. Für Arbeiten in ungeheizten Räumen oder im Freien ist insbesondere Art. 21 der Verordnung 3 zum Arbeitsgesetz (ArGV 3) relevant.
Das SECO empfiehlt, technische und organisatorische Schutzmassnahmen mit geeigneter persönlicher Schutzausrüstung zu kombinieren.
In der Praxis können dazu folgende Massnahmen gehören:
Wie lange Mitarbeitende ohne Unterbruch in der Kälte arbeiten dürfen und welche Aufwärmzeiten erforderlich sind, hängt unter anderem vom Temperaturbereich ab. Die SECO-Handlungshilfe «Arbeiten bei Kälte» enthält dazu konkrete Angaben und Empfehlungen.
Wichtig für Betriebe: Auch hochwertige Winter-Sicherheitsschuhe ersetzen keine angemessenen technischen und organisatorischen Schutzmassnahmen.
Bevor Sie neue Winter-Sicherheitsschuhe beschaffen, sollten Sie die möglichen Ursachen eingrenzen.
Prüfen Sie dazu folgende sechs Punkte:
Diese Prüfung hilft, geeignete Massnahmen auszuwählen. Sie ersetzt jedoch keine Beurteilung der Gefährdungen am Arbeitsplatz. Bleiben die Füsse trotz trockener Socken, passender Schuhe und geeigneter Arbeitsbedingungen regelmässig kalt, sollte die Eignung des Schuhmodells genauer überprüft werden.
Nicht immer reichen andere Socken oder eine bessere Trocknung aus. Ein neues Schuhmodell ist insbesondere dann sinnvoll, wenn:
Bei der Auswahl sollten Unternehmen nicht ausschliesslich auf ein dickes Warmfutter achten. Mindestens ebenso wichtig sind die erforderliche Schutzklasse, ausreichend Platz im Zehenbereich, geeignete Isolierung und ein zur Tätigkeit passender Nässeschutz.
Eine vertiefte Orientierung zur Auswahl und zu den wichtigsten Wintereigenschaften bietet unser Fachbeitrag «Sicherheitsschuhe für den Winter: Schutz und Komfort vereint».
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Metall kann Wärme gut leiten, doch wie warm ein Sicherheitsschuh tatsächlich hält, hängt von seiner gesamten Konstruktion ab. Die Zehenschutzkappe allein ist deshalb kein verlässliches Kriterium für die Wintertauglichkeit.
Bei körperlicher Anstrengung kann sich Schweissfeuchtigkeit im Schuh ansammeln. Sinkt anschliessend die körperliche Aktivität oder wird in eine kalte Umgebung gewechselt, kann diese Feuchtigkeit die Wärmeisolierung beeinträchtigen.
Geeignete Funktions- oder Wollsocken, trockene Schuhe und eine passende Arbeitsorganisation können helfen.
Nicht unbedingt. Zwei Sockenschichten können sinnvoll sein, solange ausreichend Platz im Sicherheitsschuh bleibt. Werden die Zehen eingeengt, kann sich der Kälteschutz verschlechtern.
Wenn Sicherheitsschuhe dauernd einer nassen Umgebung ausgesetzt sind und durchnässt werden, muss gemäss Suva ein zweites Paar zur Verfügung stehen.
Auch bei anderen regelmässigen Feuchtigkeitsbelastungen kann ein Wechselpaar zweckmässig sein, damit die Schuhe zwischen den Einsätzen vollständig trocknen können.
Anhaltende Taubheitsgefühle, starke Schmerzen oder auffällige Hautveränderungen sollten ernst genommen werden. In solchen Situationen ist die Kälteexposition zu unterbrechen. Je nach Beschwerden sind Erste-Hilfe-Massnahmen und eine medizinische Abklärung notwendig.
Kalte Füsse trotz Winter-Sicherheitsschuhen sind nicht automatisch ein Zeichen dafür, dass die Schuhe zu wenig gefüttert sind. Häufig kommen mehrere Ursachen zusammen: Feuchtigkeit im Schuh, zu enge Wintersocken, kalte Standflächen oder lange Arbeitsphasen mit wenig Bewegung.
Prüfen Sie deshalb zuerst die Passform, die Socken, die Trocknung und die Bedingungen am Arbeitsplatz. Reicht das nicht aus, sollten die Kälteisolierung und der Nässeschutz des vorhandenen Sicherheitsschuhs genauer beurteilt werden.
Guter Kälteschutz entsteht durch das richtige Zusammenspiel von geeigneten Sicherheitsschuhen, trockenen Füssen und passenden betrieblichen Massnahmen.
Nicht jeder Sicherheitsschuh eignet sich für jede Kälte- und Nässebelastung.
Safety Pro unterstützt Sie dabei, geeignete Sicherheitsschuhe für Ihre konkreten Arbeitsbedingungen auszuwählen. Ob Baustelle, Logistik, Industrie oder Arbeiten im Freien: Entscheidend sind die tatsächlichen Gefährdungen und die passenden Schutzeigenschaften.
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