14.09.2026
Arbeiten auf nassem, rutschigem oder vereistem Untergrund: So schützen Betriebe ihre Mitarbeitenden
14.09.2026
Ein verregneter Morgen auf dem Werkhof, Schneematsch auf dem Baustellenzugang oder eine dünne Eisschicht auf der Rampe: Rutschige Untergründe gehören zu den alltäglichen Unfallgefahren – und werden trotzdem leicht unterschätzt.
Gerade im Winter ist das Risiko hoch. In der Schweiz ereignen sich zwischen Dezember und Februar rund 21’000 Stolper- und Sturzunfälle im Freien. Etwa die Hälfte davon passiert auf Schnee und Eis. An Arbeitstagen ist das Risiko für Sturzunfälle auf Schnee und Eis zwischen 6 und 8 Uhr besonders hoch.
Geeignete, rutschhemmende Sicherheitsschuhe können das Risiko reduzieren. Sie machen einen vereisten, verschlammten oder schlecht beleuchteten Weg jedoch nicht automatisch sicher.
Entscheidend ist das Zusammenspiel aus sicheren Verkehrswegen, Reinigung und Winterdienst, ausreichender Beleuchtung, klaren Zuständigkeiten und passender persönlicher Schutzausrüstung.
Bei Nässe, Schlamm, Schnee und Eis sollte die Gefahr zuerst möglichst an ihrer Quelle beseitigt oder wirksam reduziert werden.
Das bedeutet zum Beispiel:
Diese Reihenfolge folgt dem STOP-Prinzip: Zuerst stehen Substitution sowie technische und organisatorische Massnahmen im Vordergrund. Persönliche Schutzmassnahmen wie Sicherheitsschuhe, Wetter- oder Warnschutzkleidung ergänzen diese Massnahmen dort, wo ein Restrisiko bleibt.
Rutschgefahren durch Regen, Schnee und Eis sollten deshalb Teil der betrieblichen Gefährdungsermittlung sein. Dabei lohnt sich ein Blick auf den gesamten Weg: vom Parkplatz über Eingänge, Treppen und Rampen bis zum eigentlichen Arbeitsplatz.
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Stolpern und Stürzen gehört in der Schweiz zu den Hauptunfallursachen. Rund 200’000 Arbeitskräfte verletzen sich jedes Jahr bei Stolper- und Sturzunfällen am Arbeitsplatz oder im Alltag.
Dabei ist nicht jede rutschige Fläche gleich. Je nach Wetter, Untergrund und Verschmutzung entstehen unterschiedliche Risiken.
Wasser kann auf vielen Oberflächen die Haftung zwischen Schuhsohle und Boden verringern. Besonders kritisch können folgende Bereiche sein:
Pfützen können zusätzlich Löcher, Kanten oder Unebenheiten verdecken. Und nasse Schuhe tragen Feuchtigkeit ins Gebäude – die Rutschgefahr wandert also mit nach drinnen.
Deshalb sollten Abläufe und Entwässerung funktionieren, Wasser und Schmutz regelmässig entfernt und stark frequentierte Eingänge mit ausreichend grossen Schmutz- und Feuchtigkeitsfangzonen ausgestattet werden.
Wer häufig draussen im Regen arbeitet, benötigt ausserdem geeignete Wetterschutzkleidung. Was dabei die EN 343 bedeutet und worauf es bei Wasserdichtigkeit und Atmungsaktivität ankommt, erklären wir im Beitrag «Arbeiten bei Regen: Wetterschutzkleidung richtig auswählen».
Auf Baustellen, Werkhöfen sowie im Garten-, Land- und Forstbereich bringt Schlamm zusätzliche Risiken mit sich.
Er kann sich im Sohlenprofil festsetzen, Unebenheiten verdecken und besonders auf Gefällen oder provisorischen Wegen den sicheren Tritt erschweren.
Hilfreich sind zum Beispiel:
Auch eine ausgeprägte Profilsohle verliert an Wirkung, wenn das Profil vollständig mit Schlamm zugesetzt ist.
Nasses Laub kann auf Asphalt, Beton oder Plattenbelägen überraschend glatt werden. Gleichzeitig verdeckt es Stufen, Rinnen und kleinere Unebenheiten.
Stark genutzte Wege, Rampen, Eingänge und Treppen sollten deshalb regelmässig gereinigt werden. Auch Abflüsse müssen frei bleiben, damit sich kein zusätzliches Regenwasser staut.
Besonders tückisch ist der Wechsel zwischen Tauen und Gefrieren. Ein Weg kann am Nachmittag problemlos begehbar und am nächsten Morgen vereist sein. Darum reicht es nicht, am Vortag einmal zu räumen.
Winterdienst braucht regelmässige Kontrollen – abgestimmt auf Wetter und Nutzung.
Gerade beim Arbeiten bei Glatteis müssen Betriebe deshalb genau hinschauen. In den frühen Morgenstunden können mehrere Risiken zusammentreffen: Dunkelheit, überfrierende Nässe, Schnee- und Eisreste sowie noch nicht vollständig geräumte Wege.
Stellen wir uns eine typische Situation vor: Ein Mitarbeiter trägt neue Sicherheitsschuhe mit griffiger Profilsohle. Der Baustellenzugang ist am Morgen jedoch dunkel, nicht geräumt und mit festgetretenem Schneematsch bedeckt.
Reicht der gute Schuh?
Nein.
Er kann den Halt verbessern. Er entfernt aber weder Eis noch Schneematsch und gleicht auch schlechte Beleuchtung nicht aus.
Genau hier hilft das STOP-Prinzip:
Die Reihenfolge ist wichtig. Persönliche Schutzausrüstung ergänzt technische und organisatorische Massnahmen – sie ersetzt sie nicht.
Für Betriebe bedeutet das: Nicht zuerst fragen «Welchen Schuh brauchen wir?», sondern vielmehr:
«Warum ist dieser Weg rutschig – und wie können wir die Gefahr reduzieren?»
Zu sicheren Verkehrswegen gehört weit mehr als nur der Gehweg vor dem Gebäude.
Je nach Betrieb betrifft das auch:
Gerade Verkehrswege bei Nässe sollten regelmässig kontrolliert werden. Besonders wichtig sind bekannte Problemstellen: Wo sammelt sich Wasser? Wo entsteht zuerst Eis? Welche Treppe liegt im Schatten? Wo wird regelmässig Schlamm eingetragen?
Solche Bereiche sollten gezielt in die betriebliche Kontrolle aufgenommen werden.
Schnee, Schneematsch, Schlamm und Laub sollten möglichst an der Quelle entfernt werden. Räumung und Reinigung sind in der Regel wirksamer, als sich ausschliesslich auf Schuhwerk oder Warnhinweise zu verlassen.
Bei Glätte können zusätzlich abstumpfende oder auftauende Mittel sinnvoll sein. Sand, Splitt oder Kies erhöhen die Griffigkeit und funktionieren auch bei tiefen Temperaturen. Sie müssen allerdings regelmässig nachgestreut und später wieder entfernt werden.
Auftausalz und andere Taumittel können je nach Temperatur, Dosierung und Untergrund Eis auftauen oder die Bildung von Glätte reduzieren. Dabei sollten Materialverträglichkeit, Korrosion, Umweltaspekte und lokale Vorgaben berücksichtigt werden.
Rutschhemmende Matten können an klar definierten Übergängen helfen. Sie sollten eben aufliegen, gegen Verrutschen gesichert und regelmässig gereinigt werden. Sonst können sie selbst zur Stolperfalle werden.
Eine vereiste Fläche, eine Pfütze oder eine Stufenkante muss zuerst erkannt werden, bevor jemand darauf reagieren kann.
Deshalb gehört ausreichende Beleuchtung auch im Aussenbereich zur Arbeitssicherheit. Gemäss Arbeitsgesetzgebung müssen Verkehrswege innerhalb und ausserhalb von Gebäuden entsprechend ihrer Nutzung ausreichend beleuchtet sein.
Wichtig ist, dass:
Defekte Leuchten oder dauerhaft dunkle Bereiche sind deshalb nicht nur ein Komfortproblem, sondern ein Sicherheitsmangel.
Sind die betrieblichen Massnahmen umgesetzt, bleibt die Auswahl des passenden Schuhwerks wichtig.
Dabei lautet die entscheidende Frage nicht:
«Welcher Schuh hat die höchste Schutzklasse?»
Sondern:
«Welche Gefahren bestehen bei dieser Tätigkeit und auf diesem Untergrund?»
Je nach Gefährdungsbeurteilung kommen Sicherheitsschuhe, Sicherheitsstiefel oder Berufsschuhe mit geeigneter Rutschhemmung und weiteren erforderlichen Schutzeigenschaften infrage.
Bei der Auswahl sollten unter anderem berücksichtigt werden:
Welche Schutzklasse zum jeweiligen Einsatz passt, erläutert der Beitrag «S1, S2 oder S3: Welche Sicherheitsschuhe passen zu welchem Einsatzbereich?». Auch das Material der Laufsohle kann je nach Untergrund und Arbeitsbedingungen eine Rolle spielen. Mehr dazu im Fachartikel «Sicherheitsschuhe nach Einsatzbereich wählen: Wann PU, TPU oder Gummi sinnvoll ist».
Bei Sicherheitsschuhen nach SN EN ISO 20345:2022 ist die Prüfung der Rutschhemmung Teil der Grundanforderungen.
Die zusätzliche Kennzeichnung SR weist auf eine weitergehende Rutschhemmungsprüfung hin.
Die früher verwendeten Kennzeichnungen SRA, SRB und SRC stammen aus der vorherigen Normgeneration und werden in der aktuellen Norm nicht mehr auf diese Weise verwendet.
Wichtig zu wissen: Auch ein nach SR geprüfter Sicherheitsschuh ist nicht auf jedem Untergrund automatisch rutschsicher.
Nasser Beton, Metall, Schlamm, verdichteter Schnee und blankes Eis stellen sehr unterschiedliche Anforderungen.
Mehr zu S3L, S3S, S7 sowie den Zusatzkennzeichnungen WPA, WR, CI, SR und FO erfahren Sie im Safety-Pro-Fachartikel «Was bedeuten S3L, S3S, S7, WPA, WR, CI, SR oder FO bei Sicherheitsschuhen?».
Nicht nur die Normkennzeichnung entscheidet über guten Halt. Eine stark abgelaufene, verhärtete oder verschmutzte Sohle kann deutlich an Griffigkeit verlieren. Kontrollieren Sie Arbeitsschuhe deshalb regelmässig auf:
Nach sehr nassen Einsätzen sollten die Schuhe ausserdem ausreichend trocknen können.
Bei klar definierten und kurzzeitigen Arbeiten auf vereisten Flächen können Spikes oder andere Gleitschutzlösungen zusätzlichen Halt geben. Sie ersetzen jedoch keinen Winterdienst.
Ausserdem müssen sie zur Tätigkeit und zum Untergrund passen. Auf glatten Innenböden, empfindlichen Oberflächen, Fahrzeugpedalen oder bestimmten Arbeitsmitteln können Spikes ungeeignet oder sogar hinderlich sein.
Ob solche Lösungen eingesetzt werden können, sollte deshalb im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung geprüft werden.
Regen, Schnee, Nebel und Dunkelheit erhöhen nicht nur die Rutschgefahr. Mitarbeitende werden unter solchen Bedingungen oft auch schlechter gesehen. Besonders relevant ist das überall dort, wo Fahrzeuge unterwegs sind, zum Beispiel in:
Bei Arbeiten im Bereich öffentlicher Strassen ist geeignete Warnschutzkleidung vorgeschrieben. Welche Warnschutzklasse benötigt wird, hängt unter anderem vom Einsatzbereich und der konkreten Gefährdung ab.
Wer dabei gleichzeitig Regen, Wind oder Kälte ausgesetzt ist, braucht neben der Sichtbarkeit auch den passenden Wetterschutz. Für Arbeiten unter winterlichen Bedingungen können dabei verschiedene Elemente der PSA für den Winter miteinander kombiniert werden.
Denn Sichtbarkeit und Wetterschutz sind zwei unterschiedliche Anforderungen – und sollten gemeinsam betrachtet werden.
Ein guter Winterdienst beginnt nicht erst beim ersten Schneefall. Schon vorher sollte geklärt sein:
Besonders sinnvoll sind Kontrollen:
Winterdienst im Betrieb bedeutet deshalb nicht nur Räumen und Streuen. Ebenso wichtig sind klar geregelte Zuständigkeiten, wiederkehrende Kontrollen und die Frage, wann ein Bereich sicher freigegeben werden kann.
Vor der Freigabe der Wege kurz prüfen:
Nicht jede wetterbedingte Gefahr lässt sich sofort beseitigen. Deshalb braucht es klare Regeln, wann weitergearbeitet werden kann – und wann nicht.
Die Tätigkeit kann fortgesetzt werden, wenn:
Zusätzliche Massnahmen sind notwendig, wenn zum Beispiel:
Erst danach sollte der Bereich wieder freigegeben werden.
Kann die Rutsch-, Sturz- oder Absturzgefahr mit geeigneten technischen, organisatorischen und persönlichen Schutzmassnahmen nicht wirksam beherrscht werden, ist die betroffene Tätigkeit zu unterbrechen, zu verschieben oder an einen sicheren Ort zu verlegen.
Das kann etwa der Fall sein bei:
Mitarbeitende sollen bei einer unmittelbaren Gefahr Stopp sagen und die Arbeit erst fortsetzen, wenn die Gefahr beseitigt oder wirksam kontrolliert ist. Betriebe sollten dafür klare Abläufe schaffen und sicherstellen, dass Gefahren ohne Hemmschwelle gemeldet werden können.
Oft fehlt es nicht am Wissen, sondern an kleinen Details im Alltag.
Das ist wichtig – reicht aber allein nicht aus. Sichere Arbeits- und Verkehrswege haben Vorrang.
Nicht immer. Tauwetter, erneuter Schneefall oder sinkende Temperaturen können die Bedingungen schnell verändern.
Problemstellen liegen häufig an Seiteneingängen, Rampen, Fahrzeugaufstiegen oder Wegen zwischen verschiedenen Gebäuden.
Nein. Nicht jede Fläche eignet sich für Taumittel. Material, Umwelt und lokale Vorgaben müssen berücksichtigt werden.
Eine Warnweste sorgt für Sichtbarkeit. Sie schützt aber nicht automatisch vor Regen, Kälte und Wind. Je nach Einsatz müssen verschiedene Schutzfunktionen kombiniert werden.
Nein. Geeignete Sohlen können das Risiko reduzieren, machen eine vereiste Fläche aber nicht automatisch sicher. Räumen, Streuen, Sperren oder eine sichere alternative Wegführung haben Vorrang.
SR ist eine Zusatzkennzeichnung nach SN EN ISO 20345:2022 und steht für eine weitergehende Prüfung der Rutschhemmung. Sie bedeutet nicht, dass der Schuh auf jedem Untergrund rutschsicher ist.
Diese Kennzeichnungen stammen aus der früheren Normgeneration. Mit SN EN ISO 20345:2022 wurde die Prüfung der Rutschhemmung neu geregelt.
Spikes können bei kurzzeitiger und unvermeidbarer Glätte zusätzlichen Halt bieten. Sie müssen zur Tätigkeit und zum Untergrund passen und ersetzen den Winterdienst nicht.
Die Zuständigkeit sollte im Betrieb klar geregelt sein – inklusive Stellvertretung. Dazu gehört nicht nur das Räumen selbst, sondern auch die Kontrolle, das Sperren gefährlicher Bereiche und die Freigabe sicherer Wege.
Wenn sich die Rutsch-, Sturz- oder Absturzgefahr mit geeigneten Schutzmassnahmen nicht wirksam beherrschen lässt, sollte die betroffene Tätigkeit unterbrochen, verschoben oder an einen sicheren Ort verlegt werden.
Nässe, Schlamm, Schnee und Eis gehören in vielen Betrieben zum Arbeitsalltag. Unfälle müssen deshalb aber nicht dazugehören.
Für einen sicheren Arbeitsalltag genügt keine einzelne Massnahme. Entscheidend ist, dass Verkehrswege, Winterdienst, Beleuchtung, Organisation und persönliche Schutzausrüstung zusammenspielen.
Sicherheitsschuhe und Sicherheitsstiefel sowie Warnschutzkleidung und weitere PSA für winterliche Arbeitsbedingungen ergänzen die betrieblichen Schutzmassnahmen dort, wo ein Restrisiko bleibt.
Beim Schuhwerk zählt deshalb nicht nur die Schutzklasse. Untergrund, Tätigkeit, Wetter, weitere Gefahren sowie Zustand und Passform des Schuhs müssen zusammenpassen.
Sie sind unsicher, welcher Fussschutz oder welche Warn- und Wetterschutzkleidung zu Ihrem Einsatz passt? Safety-Pro unterstützt Sie bei der Auswahl und Kombination der passenden PSA – per E-Mail, Kontaktformular, Telefon oder persönlich vor Ort in Rheinfelden.