17.07.2026
PSA-Check im Betrieb: Die Suva-Checkliste richtig anwenden
17.07.2026
Persönliche Schutzausrüstung, kurz PSA, ist in den meisten Betrieben vorhanden. Sicherheitsschuhe wurden verteilt, Schutzbrillen liegen bereit und für bestimmte Arbeiten gibt es Handschuhe, Helme, Gehörschutz oder Atemschutz.
Trotzdem entstehen im Arbeitsalltag immer wieder Sicherheitslücken. Mitarbeitende tragen die Ausrüstung nicht konsequent, einzelne Produkte passen nicht zur Tätigkeit oder beschädigte PSA wird zu spät ersetzt.
Mit einer regelmässigen PSA-Kontrolle im Betrieb lassen sich solche Schwachstellen frühzeitig erkennen. Eine praktische Grundlage dafür bietet die Suva-Checkliste «Persönliche Schutzausrüstungen (PSA)». Sie hilft Unternehmen, die Auswahl, Nutzung und Organisation der Schutzausrüstung systematisch zu überprüfen.
Die vollständige Suva-Checkliste für PSA kann kostenlos auf der Website der Suva heruntergeladen werden.
Persönliche Schutzausrüstung kann Verletzungen verhindern und die Gesundheit der Mitarbeitenden schützen. Das funktioniert jedoch nur, wenn die Ausrüstung:
Arbeitgebende müssen die notwendige PSA kostenlos zur Verfügung stellen. Ausserdem müssen sie dafür sorgen, dass die Ausrüstung richtig verwendet wird.
Mitarbeitende sind im Gegenzug verpflichtet, die bereitgestellte Schutzausrüstung zu benutzen und ihre Schutzwirkung nicht zu beeinträchtigen.
Es reicht deshalb nicht, einmal Sicherheitsschuhe, Schutzbrillen oder Handschuhe auszugeben und das Thema danach als erledigt zu betrachten. Arbeitsplätze verändern sich. Neue Maschinen kommen hinzu, Arbeitsstoffe werden ersetzt und Tätigkeiten ändern sich. Auch die Bedürfnisse der Mitarbeitenden können unterschiedlich sein.
Eine bisher passende Ausrüstung kann dadurch mit der Zeit ungeeignet werden.
Ein regelmässiger PSA-Check beantwortet unter anderem folgende Fragen:
Die Suva-Checkliste «Persönliche Schutzausrüstungen (PSA)» richtet sich an Arbeitgebende, Vorgesetzte, Sicherheitsbeauftragte und weitere Personen, die im Betrieb für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz verantwortlich sind.
Die Checkliste enthält 23 Kontrollfragen und behandelt fünf zentrale Bereiche:
Festlegung, wer bei welcher Tätigkeit welche PSA tragen muss
Auswahl und Beschaffung der Schutzausrüstung
Wartung, Pflege und Ersatz
Information und Instruktion der Mitarbeitenden
Vorbildfunktion und Kontrolle im Arbeitsalltag
Die PSA-Checkliste prüft damit nicht nur, ob Schutzprodukte vorhanden sind. Sie zeigt auch, ob die Abläufe im Betrieb funktionieren, die Verantwortlichkeiten geklärt sind und die Ausrüstung tatsächlich richtig verwendet wird.
Die Suva-Checkliste ist ein Hilfsmittel für die betriebliche Kontrolle. Sie ersetzt jedoch keine Gefährdungsbeurteilung.
Bevor die passende PSA ausgewählt werden kann, muss bekannt sein, welchen Gefahren die Mitarbeitenden bei ihrer Arbeit ausgesetzt sind. Erst danach lassen sich geeignete Schutzmassnahmen festlegen.
Grundsätzlich gilt: Gefahren sollten zuerst durch technische oder organisatorische Massnahmen reduziert werden. Persönliche Schutzausrüstung kommt dort zum Einsatz, wo sich ein Risiko nicht ausreichend auf andere Weise vermeiden lässt.
Ein Beispiel: Entsteht an einer Maschine viel Staub, sollte zuerst geprüft werden, ob eine wirksame Absaugung möglich ist. Atemschutz kann zusätzlich erforderlich sein, ersetzt aber keine technisch sinnvolle Staubabsaugung.
Eine PSA-Kontrolle sollte nicht nur am Schreibtisch stattfinden. Dokumente und Listen sind wichtig, zeigen aber nicht immer, wie die Ausrüstung im Arbeitsalltag tatsächlich genutzt wird.
Am aussagekräftigsten ist eine Kontrolle, wenn Unterlagen, Arbeitsplätze, vorhandene Produkte und das Verhalten der Mitarbeitenden gemeinsam betrachtet werden.
Zu Beginn werden die relevanten Arbeitsbereiche und Tätigkeiten zusammengestellt. Dazu können beispielsweise gehören:
Für jede Tätigkeit sollte bekannt sein, welche Gefährdungen bestehen und welche Schutzmassnahmen vorgesehen sind.
Hilfreich sind dabei vorhandene Unterlagen wie:
Diese Dokumente liefern eine gute Grundlage. Entscheidend bleibt aber der Vergleich mit der tatsächlichen Situation am Arbeitsplatz.
Für den PSA-Check sollte eine verantwortliche Person bestimmt werden. In grösseren Betrieben ist es sinnvoll, zusätzlich Vorgesetzte, Sicherheitsbeauftragte, Mitarbeitende aus den betroffenen Bereichen oder externe Fachpersonen einzubeziehen.
Folgende Zuständigkeiten sollten eindeutig geregelt sein:
Klare Verantwortlichkeiten sind wichtig. Sonst werden Mängel zwar erkannt und notiert, aber niemand fühlt sich für die Behebung zuständig.
Im nächsten Schritt wird geprüft, ob für jede relevante Arbeit die passende Schutzausrüstung vorhanden ist.
Die Bezeichnung eines Produkts allein reicht dabei nicht aus. Ein Handschuh ist nicht automatisch für jede Arbeit geeignet. Auch bei Sicherheitsschuhen, Atemschutz, Schutzbrillen oder Gehörschutz gibt es unterschiedliche Schutzklassen und Einsatzbereiche.
Je nach Tätigkeit sollten unter anderem folgende Punkte geprüft werden:
Besonders sorgfältig muss PSA ausgewählt werden, die vor schweren oder tödlichen Gefahren schützt. Dazu gehören beispielsweise Atemschutzgeräte oder persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz.
Hier gelten erhöhte Anforderungen an Auswahl, Anwendung, Prüfung und Ausbildung.
Die eigentliche Kontrolle sollte dort stattfinden, wo die PSA verwendet wird. Nur vor Ort lässt sich erkennen, ob die festgelegten Regeln in der Praxis funktionieren.
Bei der Begehung können folgende Fragen helfen:
Das Gespräch mit den Mitarbeitenden ist dabei besonders wertvoll. Viele Probleme werden erst sichtbar, wenn man mit den Personen spricht, die die Ausrüstung täglich benutzen.
Sie wissen meist sehr genau, wo etwas drückt, stört, fehlt oder im Arbeitsablauf unpraktisch ist.
Wird persönliche Schutzausrüstung nicht konsequent getragen, wird schnell mangelndes Sicherheitsbewusstsein vermutet. In der Praxis gibt es jedoch oft konkrete Gründe.
Typische Probleme sind:
Eine gute PSA-Kontrolle im Betrieb fragt deshalb nicht nur: «Wird die Ausrüstung getragen?»
Ebenso wichtig ist die Frage: «Warum wird sie nicht getragen?»
Wer die Ursache kennt, kann eine passende Lösung finden. Manchmal genügt ein anderes Modell, eine bessere Grössenauswahl oder eine praktischere Aufbewahrung direkt am Arbeitsplatz.
Mitarbeitende müssen wissen, wann, warum und wie sie eine bestimmte Schutzausrüstung verwenden sollen. Eine reine Übergabe des Produkts reicht nicht aus.
Je nach PSA sollte die Instruktion folgende Punkte abdecken:
Besonders wichtig ist die praktische Schulung bei komplexer PSA. Dazu gehören beispielsweise Atemschutzgeräte oder Ausrüstungen gegen Absturz.
Bei solchen Produkten sollten Mitarbeitende die Anwendung nicht nur theoretisch kennen, sondern praktisch üben.
Persönliche Schutzausrüstung hält nicht unbegrenzt. Verschleiss, Schmutz, UV-Strahlung, Chemikalien, Feuchtigkeit oder falsche Lagerung können die Schutzwirkung beeinträchtigen.
Beim PSA-Check sollte deshalb geprüft werden:
Beschädigte PSA darf nicht einfach bis zur nächsten Sammelbestellung weiterverwendet werden.
Für häufig benötigte Artikel ist deshalb ein sinnvoller Ersatzbestand empfehlenswert. So können defekte Produkte sofort ausgetauscht werden, ohne dass Mitarbeitende vorübergehend ungeschützt arbeiten.
Nach der Kontrolle werden die festgestellten Mängel bewertet und priorisiert. Nicht jedes Problem ist gleich dringend.
Eine einfache Einteilung kann dabei helfen:
Es besteht eine unmittelbare und erhebliche Gefahr. Die Arbeit darf unter Umständen erst fortgesetzt werden, wenn der Mangel behoben ist.
Es besteht eine relevante Schutzlücke, die möglichst rasch geschlossen werden muss.
Zuständigkeiten, Schulungen, Abläufe oder Dokumentationen sind unklar und müssen verbessert werden.
Der Schutz ist grundsätzlich vorhanden, kann aber praktischer, bequemer oder besser auf die Tätigkeit abgestimmt werden.
Für jede Massnahme sollten eine verantwortliche Person und ein verbindlicher Termin festgelegt werden.
Danach folgt die Nachkontrolle. Sie zeigt, ob der Mangel tatsächlich behoben wurde. Eine offene Massnahmenliste allein verbessert die Sicherheit noch nicht.
Zeigt die Suva-Checkliste für PSA Lücken auf, muss der tatsächliche Bedarf geklärt werden. Dabei sollte nicht vorschnell ein Produkt bestellt werden, das dem bisherigen möglichst ähnlich sieht.
Vor der Auswahl sind mindestens folgende Fragen zu beantworten:
Vor welcher konkreten Gefahr soll die PSA schützen?
Wie stark und wie lange besteht die Belastung?
Welche gesetzlichen oder normativen Anforderungen gelten?
Muss die PSA mit anderen Ausrüstungsteilen kombiniert werden?
Welche Grössen und Passformen werden benötigt?
Unter welchen klimatischen und körperlichen Bedingungen wird gearbeitet?
Welche Wartungs-, Prüf- oder Austauschvorgaben gelten?
Die passende Schutzausrüstung ergibt sich immer aus dem Zusammenspiel von Gefährdung, Tätigkeit, Schutzwirkung und Tragekomfort.
Eine höhere Schutzklasse ist nicht automatisch besser. Ist ein Produkt für die Tätigkeit zu schwer, zu warm oder zu unhandlich, wird es möglicherweise nicht konsequent getragen. Dann nützt auch die theoretisch hohe Schutzwirkung wenig.
Bei der Suche nach Schutzausrüstung wird häufig vom Suva Shop gesprochen. Dabei werden verschiedene Angebote miteinander verwechselt.
Eine klare Unterscheidung hilft.
Die Suva unterstützt Unternehmen mit Fachwissen zur Prävention, gesetzlichen Grundlagen, Checklisten und weiteren Hilfsmitteln.
Dazu gehört auch die Checkliste für persönliche Schutzausrüstungen.
Die Suva hilft Betrieben somit dabei, Gefahren einzuordnen, Anforderungen zu verstehen und geeignete Sicherheitsmassnahmen zu planen.
Sapros ist ein von der Suva betriebener Online-Marktplatz für Sicherheitsprodukte. Dort bieten verschiedene externe Händler ihre Produkte an.
Für die Qualität und Konformität der angebotenen Produkte sind die jeweiligen Anbieter verantwortlich. Sie verpflichten sich gegenüber der Suva, nur Produkte anzubieten, die den schweizerischen Anforderungen an Sicherheit und Gesundheitsschutz entsprechen.
Sapros kann bei der Suche nach Produkten und Anbietern eine hilfreiche Orientierung bieten.
Der Begriff Suva Shop ist dennoch nicht ganz korrekt. Die Produkte werden in der Regel nicht direkt von der Suva verkauft, sondern von den auf Sapros vertretenen Anbietern.
Ein spezialisierter PSA-Shop in der Schweiz übernimmt in erster Linie den Verkauf der Schutzausrüstung. Viele Fachhändler bieten zusätzlich persönliche Beratung und Unterstützung bei der Produktauswahl an.
Nach einem betrieblichen PSA-Check kann ein Fachhändler beispielsweise helfen:
Safety-Pro bietet als spezialisierter Schweizer PSA-Shop ein breites Sortiment an persönlicher Schutzausrüstung. Dazu gehören unter anderem Arbeitsschuhe, Schutzbekleidung sowie Augen-, Gehör-, Atem-, Hand- und Kopfschutz.
So können erkannte Lücken gezielt geschlossen und die Produkte auf die Anforderungen des jeweiligen Betriebs abgestimmt werden.
Die beste PSA schützt nur, wenn sie richtig und konsequent getragen wird.
Die Suva berücksichtigt deshalb in ihrer Checkliste nicht nur Auswahl und Wartung. Auch Instruktion, Vorbildfunktion und Kontrolle spielen eine wichtige Rolle.
Wer die Ausrüstung täglich trägt, kann ihre Praxistauglichkeit am besten beurteilen.
Trageversuche mit unterschiedlichen Modellen helfen dabei, Probleme mit Passform, Komfort oder Handhabung frühzeitig zu erkennen.
Das erhöht nicht nur die Zufriedenheit, sondern oft auch die Bereitschaft, die PSA konsequent zu benutzen.
Sicherheitsregeln verlieren schnell an Glaubwürdigkeit, wenn Vorgesetzte sie selbst nicht einhalten.
Das gilt auch bei einem kurzen Kontrollgang oder einer scheinbar einfachen Tätigkeit. Wer sich im Gefahrenbereich aufhält, muss die vorgeschriebene PSA tragen.
Die Regeln sollten für alle Personen gleich gelten – unabhängig von Funktion, Erfahrung oder Position im Unternehmen.
Unklare oder widersprüchliche Vorgaben führen zu Unsicherheit.
Für alle Mitarbeitenden sollte deshalb eindeutig sein:
Die Vorgaben sollten möglichst einfach formuliert und direkt am Einsatzort sichtbar sein.
Eine Instruktion ist besonders wichtig:
Auch kurze Wiederholungen in Teamsitzungen oder Sicherheitsgesprächen können sinnvoll sein. Sie halten das Thema präsent und bieten Gelegenheit, Fragen oder praktische Probleme anzusprechen.
Die Kontrolle der PSA-Nutzung gehört zur Führungsverantwortung.
Sie sollte regelmässig, nachvollziehbar und für alle Personen gleich durchgeführt werden.
Im Vordergrund steht nicht die Bestrafung. Kontrollen sollen vor allem helfen, unsichere Gewohnheiten und praktische Hindernisse frühzeitig zu erkennen.
Bewusste oder wiederholte Verstösse gegen Sicherheitsregeln dürfen dennoch nicht ignoriert werden. Werden Vorgaben dauerhaft nicht eingehalten, sind klare Gespräche und geeignete weitere Massnahmen notwendig.
Ein fester Kontrollrhythmus schafft Verbindlichkeit.
Je nach Betrieb, Tätigkeit und Gefährdung kann ein umfassender PSA-Check beispielsweise einmal pro Jahr oder halbjährlich durchgeführt werden.
Zusätzliche Kontrollen sind sinnvoll:
Für bestimmte Produkte können deutlich kürzere Prüfintervalle vorgeschrieben sein. Sicht- und Funktionskontrollen müssen teilweise vor jeder Verwendung durchgeführt werden.
Massgebend sind die gesetzlichen Vorgaben, die Gefährdungsbeurteilung und die Angaben des Herstellers.
Die Suva-Checkliste für persönliche Schutzausrüstungen bietet eine gute Grundlage, um die PSA-Kontrolle im Betrieb strukturiert durchzuführen.
Sie richtet den Blick nicht nur auf die vorhandenen Produkte. Ebenso wichtig sind:
Entscheidend ist, dass die Kontrolle nicht mit dem Ausfüllen der Checkliste endet.
Festgestellte Mängel müssen bewertet, Verantwortlichen zugeteilt, terminiert und anschliessend kontrolliert werden.
Die Suva stellt dafür Fachinformationen, Regeln und praktische Arbeitshilfen zur Verfügung. Sapros bietet als von der Suva betriebener Marktplatz Zugang zu verschiedenen Anbietern. Spezialisierte PSA-Shops übernehmen den konkreten PSA-Verkauf und unterstützen Betriebe bei der Auswahl geeigneter Produkte.
So wird aus einer Checkliste ein funktionierender Prozess – und aus vorhandener Schutzausrüstung ein wirksamer Schutz im Arbeitsalltag.